«Ich habe einfach den Förderbericht in ChatGPT kopiert. Das ging viel schneller.»
Was gut gemeint ist, kann schnell zum Problem werden.
Mit Künstlicher Intelligenz lassen sich Texte zusammenfassen, Elternbriefe formulieren oder Unterrichtsmaterialien erstellen. Doch viele Nutzerinnen und Nutzer vergessen dabei eine entscheidende Frage:
Welche Daten gebe ich der KI eigentlich preis?
Gerade im Schulalltag gewinnt diese Frage zunehmend an Bedeutung.
Viele KI-Systeme funktionieren denkbar einfach.
Text hineinkopieren.
Knopf drücken.
Ergebnis erhalten.
Diese Einfachheit verleitet dazu, unbedacht mit Informationen umzugehen.
Doch nicht jeder Text eignet sich für eine KI.
Namen von Schülerinnen und Schülern, Förderberichte, Zeugnisbemerkungen, medizinische Angaben oder Informationen über schwierige Familiensituationen gehören zu besonders schützenswerten Personendaten.
Solche Informationen dürfen nicht einfach in beliebige KI-Dienste eingefügt werden.
Nicht nur Lehrpersonen stehen vor dieser Herausforderung.
Auch Kinder und Jugendliche laden oft unüberlegt Inhalte hoch.
Ein Klassenfoto.
Ein Screenshot eines Chats.
Ein Aufsatz mit dem vollständigen Namen.
Eine Liste mit Telefonnummern.
Oder sie fragen eine KI um Rat und erzählen dabei sehr persönliche Dinge über sich oder andere.
Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie dabei sensible Daten preisgeben könnten.
Datenschutz wird häufig als lästige Vorschrift wahrgenommen.
Dabei geht es um etwas viel Grundsätzlicheres:
Den Schutz von Menschen.
Wer persönliche Informationen weitergibt, verliert unter Umständen die Kontrolle darüber, wer diese Daten sieht, verarbeitet oder speichert.
Gerade Kinder und Jugendliche können die langfristigen Folgen oft noch nicht einschätzen.
Deshalb braucht es Aufklärung – nicht Angst.
Ja.
Noch nie war Datenschutz so greifbar wie heute.
KI bietet die Gelegenheit, mit Schülerinnen und Schülern über Fragen zu sprechen wie:
Welche Daten gehören mir?
Welche Informationen darf ich weitergeben?
Welche besser nicht?
Warum ist Privatsphäre überhaupt wichtig?
Weshalb sollte ich auch die Daten anderer schützen?
Datenschutz wird dadurch vom abstrakten Gesetzestext zu einer lebensnahen Kompetenz.
Schon kleine Gewohnheiten machen einen grossen Unterschied.
Zum Beispiel:
Niemals Namen oder andere personenbezogene Daten in öffentliche KI-Dienste eingeben.
Beispiele konsequent anonymisieren.
Mit fiktiven Personen arbeiten, wenn Übungen erstellt werden.
Mit der Klasse besprechen, welche Daten sensibel sind.
Sich an die Datenschutzrichtlinien der eigenen Schule oder Gemeinde halten und wenn möglich datenschutzfreundliche KI-Lösungen einsetzen.
So wird Datenschutz nicht zum Hindernis, sondern zu einer selbstverständlichen Arbeitsweise.
Oft wird diskutiert, welche KI-Plattform sicherer ist.
Das ist wichtig.
Noch wichtiger ist jedoch das Verhalten der Menschen.
Selbst die sicherste Plattform schützt nicht vor unbedachten Eingaben.
Datenschutz beginnt deshalb nicht bei der Software.
Er beginnt bei jeder einzelnen Entscheidung, welche Informationen wir weitergeben.
Künstliche Intelligenz eröffnet faszinierende Möglichkeiten für den Unterricht.
Gleichzeitig verlangt sie einen bewussteren Umgang mit persönlichen Daten als je zuvor.
Die gute Nachricht:
Datenschutz und KI schliessen sich nicht aus.
Wer verantwortungsvoll mit Informationen umgeht, kann die Vorteile der KI nutzen und gleichzeitig die Privatsphäre von Schülerinnen, Schülern, Eltern und Lehrpersonen schützen.
Vielleicht gehört genau diese Fähigkeit künftig zu den wichtigsten digitalen Kompetenzen: zu wissen, was man einer KI anvertrauen darf – und was besser nicht.