Das Kernproblem ist nicht, dass Google Inhalte zusammenfasst. Das Problem ist, wie sich dadurch der wirtschaftliche Kreislauf des Webs verändert.
Vor der Einführung von AI-Zusammenfassungen funktionierte das Internet vereinfacht so:
Content Creator schreiben Artikel, machen Videos oder veröffentlichen Anleitungen.
Google listet diese Inhalte in den Suchergebnissen.
Nutzer klicken auf die Webseiten.
Die Webseiten verdienen Geld – etwa durch Werbung, Affiliate-Links, Abonnements oder den Verkauf eigener Produkte.
Dadurch lohnt es sich, weiterhin hochwertigen Content zu produzieren.
Mit AI-Übersichten (Google AI Overviews oder KI-Zusammenfassungen) sieht es oft so aus:
Content Creator veröffentlichen Inhalte.
Google liest diese Inhalte und erstellt daraus eine eigene Antwort.
Der Nutzer bekommt die Antwort direkt auf der Suchseite.
Viele klicken gar nicht mehr auf die ursprünglichen Quellen.
Die Webseiten verlieren Besucher und damit Einnahmen.
Das nennt man häufig “Zero-Click Search”.
Angenommen, jemand sucht:
“Wie schneidet man Lavendel?”
Früher:
Der Nutzer klickt auf einen Gartenblog.
Der Blog verdient an Werbeanzeigen.
Vielleicht kauft der Nutzer sogar über Affiliate-Links eine Gartenschere.
Heute:
Google zeigt eine KI-Zusammenfassung mit allen wichtigen Schritten.
Der Nutzer ist zufrieden.
Der Blog erhält keinen Besucher.
Der Blog hat also die Informationen geliefert, bekommt aber keinen wirtschaftlichen Gegenwert.
Weil viele Webseiten vollständig von Besuchern leben:
Nachrichtenportale
Fachblogs
Reisewebseiten
Kochseiten
Technikportale
Vergleichsseiten
Sinken die Besucherzahlen um beispielsweise 30–70 %, können Werbeeinnahmen entsprechend stark einbrechen. Einige Studien und Auswertungen von SEO-Unternehmen deuten darauf hin, dass bei Suchanfragen mit AI Overviews die Klickrate auf organische Ergebnisse deutlich sinken kann – die genaue Grössenordnung variiert jedoch je nach Suchtyp und Branche.
Google argumentiert dagegen:
Die KI nennt Quellen und verlinkt auf Webseiten.
Komplexe Fragen führen sogar eher zu weiterführenden Klicks.
Nutzer finden Informationen schneller.
Gute Inhalte bleiben wichtig, weil die KI sie zum Lernen und Zitieren benötigt.
Aus Googles Perspektive verbessert die KI also die Nutzererfahrung.
Hier liegt der eigentliche Konflikt:
Die KI benötigt hochwertige Inhalte, aber sie reduziert gleichzeitig den Anreiz, diese Inhalte zu erstellen.
Wenn sich Content-Erstellung finanziell immer weniger lohnt, könnten künftig weniger Menschen ausführliche Tests, Anleitungen, Recherchen oder Fachartikel veröffentlichen. Die KI hätte dann langfristig weniger hochwertige Quellen, aus denen sie Antworten ableiten kann.
Stell dir einen Wochenmarkt vor:
Bauern bauen Obst und Gemüse an.
Ein Supermarkt geht über den Markt, nimmt sich von jedem Stand die besten Produkte und stellt daraus kostenlos Obstkörbe direkt am Eingang zusammen.
Die Kunden nehmen die Körbe mit und betreten den Markt gar nicht mehr.
Kurzfristig freuen sich die Kunden über den Komfort. Langfristig verdienen die Bauern weniger. Wenn einige deshalb aufhören zu produzieren, gibt es irgendwann auch weniger frisches Obst für den Supermarkt.
Genau diese Spannung prägt derzeit die Diskussion um KI-Suchmaschinen: Sie machen Informationen leichter zugänglich, verändern aber gleichzeitig das Geschäftsmodell, auf dem ein grosser Teil des offenen Webs bisher beruhte.